
Rote Gitarren (die polnischen Beatles)
Die Roten Gitarren – auf Polnisch Czerwone Gitary – sind eine der bekanntesten Bands der polnischen Pop- und Rockgeschichte. Im deutschsprachigen Raum, vor allem in der DDR, wurden sie unter dem Namen Rote Gitarren berühmt und oft als „die polnischen Beatles“ bezeichnet. [ref:86R0,Wggi]
Gründung und Aufstieg
Die Band entstand am 3. Januar 1965 in Danzig. Gründer waren der Gitarrist Jerzy Kossela und der Bassist Henryk Zomerski. Zur ersten Besetzung gehörten außerdem Bernard Dornowski, Krzysztof Klenczon und der Schlagzeuger Jerzy Skrzypczyk. Mehrere von ihnen kamen zuvor von den Niebiesko-Czarni („Die Blau-Schwarzen“), einer der ersten großen polnischen Beatbands.
Schon wenige Monate später tourten sie mit dem Motto Wir spielen und singen am lautesten in Polen. Ende 1965 stieg Zomerski aus, und Seweryn Krajewski übernahm Bass und Gesang. Krajewski wurde der wichtigste Komponist der Gruppe. [ref:86R0,Wggi]
Das Debütalbum To właśnie my („Das sind wir“) erschien 1966 und verkaufte sich rund 160.000 Mal. Das zweite Album 1967 kam auf 240.000 Exemplare – damals ein Rekord in Polen. 1968/69 holten sie bei der Musikmesse MIDEM in Cannes denselben Preis wie die Beatles: für die meisten verkauften Platten im eigenen Land. Von da an haftete ihnen der Beiname „polnische Beatles“ fest. [ref:Wggi]
Sound und Erfolg
Musikalisch standen sie zwischen Beat, Pop und später folkigerem Mainstream. Ihre Stärke waren melodische, eingängige Songs mit klarem Gesang und Gitarrenarrangements, die westlichen Beatgruppen nachempfunden waren, aber polnisch klangen. Viele ihrer Hits gelten in Polen bis heute als Klassiker, darunter:
- Takie ładne oczy („Solche schönen Augen“)
- Anna Maria
- Biały krzyż („Weißes Kreuz“)
- Płoną góry, płoną lasy („Berge brennen, Wälder brennen“)
- Nie spoczniemy („Wir ziehen weiter“ / „Wir werden nicht ruhen“)
- Ciągle pada („Es regnet unentwegt“)
Die goldene Zeit lag etwa zwischen 1965 und 1970. 1970 verließ Klenczon die Band; Krajewski führte sie danach stärker in Richtung Pop. [ref:Wggi]
Die Roten Gitarren in der DDR
Für das deutsche Publikum sind sie vor allem über die DDR bekannt. 1970 spielten sie dort ihren ersten Konzert, und das DDR-Label Amiga veröffentlichte deutschsprachige Platten unter dem Namen Rote Gitarren. Alben wie Consuela (1971) und Rote Gitarren (1978) sowie Singles wie Anna Maria, Suche schönen Augen und Wir ziehen weiter liefen im Rundfunk. Allein in der DDR sollen sie über eine Million Tonträger verkauft haben. [ref:86R0,MNzC]
1977 belegten sie beim Intervision-Grand-Prix in Sopot mit Nie spoczniemy den zweiten Platz.
Spätere Jahre
In den 1980ern traten sie in Polen kaum noch in Erscheinung. Anfang der 1990er gründeten Kossela, Dornowski und Skrzypczyk die Band neu; Krajewski machte nicht dauerhaft mit. 1999 erschien …jeszcze gra muzyka („… die Musik spielt noch“), von manchen Kritikern als bestes Album der Bandgeschichte bezeichnet. In einer Umfrage der Zeitschrift Polityka im Jahr 2000 wurden sie zu einer der besten polnischen Bands des 20. Jahrhunderts gewählt. [ref:Wggi,86R0]
Jerzy Kossela starb 2017, Henryk Zomerski 2011, Krzysztof Klenczon bereits 1981. Schlagzeuger Jerzy Skrzypczyk ist das letzte Gründungsmitglied und hält die Band bis heute am Leben.
Kurz gesagt: Die Roten Gitarren waren Polens große Beat- und Popband der 1960er, im Ostblock ein Star auf Deutsch – und in Polen bis heute Teil des kollektiven Gedächtnisses, vergleichbar mit dem, was die Beatles im Westen bedeuten.
Es brennen die Berge


