Creativity Training Centre

 

Die von Ihnen genannten Begriffe beziehen sich auf das Trainingszentrum für wissenschaftlich-technische Kreativität (oft auch als Creativity Training Centre bezeichnet), das in den 1980er Jahren an der Bauakademie der DDR in Berlin existierte, ein Gemeinschaftswerk von der Bauakademie der DDR (Leiteinrichtung), des Kombinats Carl-Zeiss Jena, Einrichtungen des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen der DDR,  der Akademie für Landwirtschaften der DDR war. Es wurde maßgeblich gegründet, geprägt und  realisiert wurde von  Prof. Dr. Volker Heyse. [1, 2, 3]
Dieses Zentrum wurde von Psychologen,  Pädagogen, Ingenieuren und Ökonomen ins Leben gerufen, um eine systematische, methodisch-strukturierte Form der Ideenfindung und Problemlösung zu lehren, mit dem primären Ziel, patentfähige Innovationen für die DDR-Wirtschaft hervorzubringen. [1]
Die Kernaspekte des Zentrums und der Methode

  • Der geschichtliche Kontext in der DDR: In den letzten Jahrzehnten der DDR wuchs der wirtschaftliche Druck, technische Neuerungen und Patente unabhängig vom westlichen Import zu entwickeln. Da rein intuitive Kreativitätstechniken (wie klassisches Brainstorming) als unzureichend galten, setzte man auf Systematische Heuristik und strukturierte Problemlösungszyklen. [1, 2, 3]
  • In der Betriebsakademie von Carl Zeiss Jena wurde bereits seit Angang der 1970er Jahre in Zusammenarbeit mit den Sozisl-Psychologen der Friedrich-Schiller Universititä Jena das sozialpsychologische Verhaltenstraining realisiert.

  • Volker Heyse entwickelte das didaktische Konzepte für ein Kreativitätstraining zusammen mit Jürgen Bausdorf  und Forschern von der Akademie für Landwirtschaft der DDR und der Bauakademie der DDR wie Klaus-Henning Busch, und Peter Koch aus den Erfahrungen des Sozialpsychologischen Verhaltenstrainings Schulungsunterlagen und Erkenntnissen der Methdik kreativer Systematik. Bekannt wurde das Schulungsprogramm unter dem Kürzel ctc-Kreativitätstraining („Ganzheitliche Talentförderung zur kreativen Kompetenzentwicklung“). [1] Dieses Training wurde in interdisziplinären Kleingrippen geführt von psyhologischen Vehaltenstrainern und Kreativititätsmethodik-Trainern und anfangs von Fachexperetn zur thematischen Aufgabenstellung der jeweilieen Gruppe geleitet

  • Methodischer Ansatz („Systematisches und kreatives Problembearbeiten“): Das Training war eine Kombination aus psychologischem Verhaltenstraining und ingenieurwissenschaftlicher Methodik. Es ähnelte in Grundzügen der sowjetischen TRIZ-Methode (Theorie des erfinderischen Problemlösens), da es Probleme systematisch zerlegte, um Barrieren im Denken abzubauen. [1, 2]

  • Entwicklung nach der Wende: Das in der DDR gesammelte Wissen über Kompetenzentwicklung ging nicht verloren. Volker Heyse forschte nach 1990 intensiv weiter und entwickelte gemeinsam mit dem bekannten Verhaltenswissenschaftler John Erpenbeck die heute weit verbreiteten Kompetenzmesssysteme wie KODE® und KODE®X. [1, 2]

  • Zu den konkreten Heuristiken und Methoden des ctc-Trainings aus den Lehrbriefen
Das ctc-Kreativitätstraining („Ganzheitliche Talentförderung zur kreativen Kompetenzentwicklung“), das Volker Heyse maßgeblich an der Bauakademie der DDR prägte, basierte methodisch auf einer engen Verzahnung von dialektisch-materialistischer Problembearbeitung, Psychoregulations- und Verhaltenstraining sowie Systematischer Heuristik. [1]
In den Lehrbriefen und Schulungsunterlagen der 1980er Jahre wurde Kreativität nicht als geniale Eingebung, sondern als erlernbare, methodische Suchstrategie definiert. Der methodische Kern gliederte sich wie folgt:
1. Der dreistufige Heuristische Hauptzyklus
Jedes wissenschaftlich-technische Problem musste nach den ctc-Lehrbriefen einen streng strukturierten Prozess durchlaufen, um Denkblockaden („psychologische Trägheit“) aufzubrechen:
    • Die Problem- und Situationsanalyse: Statt sofort nach Lösungen zu suchen, stand die exakte Zerlegung des Ist-Zustands im Vordergrund. Typische heuristische Fragen waren: Welche physikalischen/technischen Widersprüche blockieren das System? Was ist die Kernursache (Konfliktanalyse)? [1]
    • Die Lösungsgenerierung (Der eigentliche Suchprozess): Hier griffen die spezifischen ctc-Suchregeln (siehe Punkt 2), um den Lösungsraum systematisch in Breite und Tiefe zu erweitern. [1]
    • Die Lösungsbewertung und -auswahl: Technische Ideen wurden anhand ökonomischer und patentrechtlicher Kriterien der DDR-Industrie streng gefiltert.

2. Spezifische Heuristiken und Suchregeln (Die „Denkwerkzeuge“)
In den Lehrbriefen wurden den Teilnehmern konkrete geistige Operationen als Arbeitsanweisungen mitgegeben, um den starren Fokus auf bekannte Lösungen zu sprengen:
    • Inversion (Kopfstand-Methode): Das Problem wurde exakt ins Gegenteil verkehrt. (Beispiel: Statt „Wie mache ich das Bauteil haltbarer?“ zu fragen, hieß die heuristische Suchregel: „Wie kann ich das Bauteil gezielt und maximal schnell zerstören?“). Dies legte oft die eigentlichen Schwachstellen frei.
    • Analogiebildung und Bionik: Systematisches Suchen nach Lösungen in strukturverwandten Bereichen. Ingenieure wurden gezielt dazu angeleitet, biologische Prinzipien (z. B. Zellstrukturen für den Leichtbau) oder Verfahren aus völlig fremden Industriezweigen auf das Bauwesen zu übertragen.
    • Variation der Systemparameter: Dimensionen, Materialien oder Aggregatzustände wurden gedanklich extrem vergrößert, verkleinert, vervielfacht oder eliminiert (eine Heuristik, die stark an die Operatoren zur Dimensionierung aus der TRIZ-Methode erinnert).
    • Kombinatorik (Morphologischer Ansatz): Zerlegung des Gesamtsystems in Funktionselemente. Für jedes Element wurden Teillösungen gesucht, die anschließend in einer Matrix systematisch neu kombiniert wurden. [1, 2, 3]

3. Psychologische Komponenten des Trainings
Was das ctc-Training von rein mathematisch-technischen Heuristiken (wie der Systematischen Heuristik nach Johannes Müller) unterschied, war der psychologische Verhaltensaspekt, den Heyse einbrachte:
    • Abbau von Barrieren: Durch gezielte Übungen in den Seminaren sollte die Angst vor dem Scheitern oder vor „absurden“ Ideen genommen werden.
    • Team-Heuristik: Es wurden feste Regeln für die diskursive Arbeit in Kollektiven definiert. Kritik an Ideen war in der Phase der Lösungsgenerierung strikt verboten, um den Fluss nicht zu blockieren. [1]
    • Aktivierungsübungen: Die Lehrbriefe enthielten Anweisungen zu kurzen Entspannungs- und Konzentrationsübungen (Psychoregulations-Training), um die geistige Leistungsfähigkeit während der tagelangen Intensivkurse hochzuhalten.

Die Brücke zur Gegenwart
Der Fokus der Lehrbriefe lag darauf, dass der Ingenieur selbst lernt, sein eigenes Denken zu steuern. Genau dieser Ansatz – die Kombination aus methodischem Problemlösen und psychologischer Selbstregulation – bildete für Volker Heyse nach 1990 das Fundament für die Entwicklung der KODE®-Kompetenzdiagnostik, bei der die „kreative Problemlösekompetenz“ als eine der Schlüsselkompetenzen operationalisiert wurde.
Möchten Sie, dass ich eine konkrete Heuristik (wie die Inversion oder den Morphologischen Kasten) anhand eines praxisnahen Beispiels aus dem damaligen Bauwesen der DDR detailliert durchspiele? [1, 2, 3]

 

Literatur:

 

Kreative Problemlösung – Methodik und Material des Ostdeutschen Kreativitätsausbildungszentrums Konferenzpapier, Erstonline: TRIZ-Anwendertag 2024, Enthalten in den folgenden Konferenzreihen:TRIZ-Anwendertag Workshop Deutschland

Kreative Problemlösung – Methodik und Material des Ostdeutschen Kreativitätsausbildungszentrums, Konferenzpapier, Erstonline: TRIZ-Anwendertag 2024

Peter Koch1 Methodische Grundlagen des kreativen, innovativen Problem-Bearbeitungs-Prozesses, Peter Koch1 Methodische Grundlagen des kreativen, innovativen Problem-Bearbeitungs-Prozesses