
Creativity Training Centre
- Der geschichtliche Kontext in der DDR: In den letzten Jahrzehnten der DDR wuchs der wirtschaftliche Druck, technische Neuerungen und Patente unabhängig vom westlichen Import zu entwickeln. Da rein intuitive Kreativitätstechniken (wie klassisches Brainstorming) als unzureichend galten, setzte man auf Systematische Heuristik und strukturierte Problemlösungszyklen. [1, 2, 3]
- In der Betriebsakademie von Carl Zeiss Jena wurde bereits seit Angang der 1970er Jahre in Zusammenarbeit mit den Sozisl-Psychologen der Friedrich-Schiller Universititä Jena das sozialpsychologische Verhaltenstraining realisiert.
- Volker Heyse entwickelte das didaktische Konzepte für ein Kreativitätstraining zusammen mit Jürgen Bausdorf und Forschern von der Akademie für Landwirtschaft der DDR und der Bauakademie der DDR wie Klaus-Henning Busch, und Peter Koch aus den Erfahrungen des Sozialpsychologischen Verhaltenstrainings Schulungsunterlagen und Erkenntnissen der Methdik kreativer Systematik. Bekannt wurde das Schulungsprogramm unter dem Kürzel ctc-Kreativitätstraining („Ganzheitliche Talentförderung zur kreativen Kompetenzentwicklung“). [1] Dieses Training wurde in interdisziplinären Kleingrippen geführt von psyhologischen Vehaltenstrainern und Kreativititätsmethodik-Trainern und anfangs von Fachexperetn zur thematischen Aufgabenstellung der jeweilieen Gruppe geleitet
- Methodischer Ansatz („Systematisches und kreatives Problembearbeiten“): Das Training war eine Kombination aus psychologischem Verhaltenstraining und ingenieurwissenschaftlicher Methodik. Es ähnelte in Grundzügen der sowjetischen TRIZ-Methode (Theorie des erfinderischen Problemlösens), da es Probleme systematisch zerlegte, um Barrieren im Denken abzubauen. [1, 2]
- Entwicklung nach der Wende: Das in der DDR gesammelte Wissen über Kompetenzentwicklung ging nicht verloren. Volker Heyse forschte nach 1990 intensiv weiter und entwickelte gemeinsam mit dem bekannten Verhaltenswissenschaftler John Erpenbeck die heute weit verbreiteten Kompetenzmesssysteme wie KODE® und KODE®X. [1, 2]
- Zu den konkreten Heuristiken und Methoden des ctc-Trainings aus den Lehrbriefen
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- Die Problem- und Situationsanalyse: Statt sofort nach Lösungen zu suchen, stand die exakte Zerlegung des Ist-Zustands im Vordergrund. Typische heuristische Fragen waren: Welche physikalischen/technischen Widersprüche blockieren das System? Was ist die Kernursache (Konfliktanalyse)? [1]
- Die Lösungsgenerierung (Der eigentliche Suchprozess): Hier griffen die spezifischen ctc-Suchregeln (siehe Punkt 2), um den Lösungsraum systematisch in Breite und Tiefe zu erweitern. [1]
- Die Lösungsbewertung und -auswahl: Technische Ideen wurden anhand ökonomischer und patentrechtlicher Kriterien der DDR-Industrie streng gefiltert.
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- Inversion (Kopfstand-Methode): Das Problem wurde exakt ins Gegenteil verkehrt. (Beispiel: Statt „Wie mache ich das Bauteil haltbarer?“ zu fragen, hieß die heuristische Suchregel: „Wie kann ich das Bauteil gezielt und maximal schnell zerstören?“). Dies legte oft die eigentlichen Schwachstellen frei.
- Analogiebildung und Bionik: Systematisches Suchen nach Lösungen in strukturverwandten Bereichen. Ingenieure wurden gezielt dazu angeleitet, biologische Prinzipien (z. B. Zellstrukturen für den Leichtbau) oder Verfahren aus völlig fremden Industriezweigen auf das Bauwesen zu übertragen.
- Variation der Systemparameter: Dimensionen, Materialien oder Aggregatzustände wurden gedanklich extrem vergrößert, verkleinert, vervielfacht oder eliminiert (eine Heuristik, die stark an die Operatoren zur Dimensionierung aus der TRIZ-Methode erinnert).
- Kombinatorik (Morphologischer Ansatz): Zerlegung des Gesamtsystems in Funktionselemente. Für jedes Element wurden Teillösungen gesucht, die anschließend in einer Matrix systematisch neu kombiniert wurden. [1, 2, 3]
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- Abbau von Barrieren: Durch gezielte Übungen in den Seminaren sollte die Angst vor dem Scheitern oder vor „absurden“ Ideen genommen werden.
- Team-Heuristik: Es wurden feste Regeln für die diskursive Arbeit in Kollektiven definiert. Kritik an Ideen war in der Phase der Lösungsgenerierung strikt verboten, um den Fluss nicht zu blockieren. [1]
- Aktivierungsübungen: Die Lehrbriefe enthielten Anweisungen zu kurzen Entspannungs- und Konzentrationsübungen (Psychoregulations-Training), um die geistige Leistungsfähigkeit während der tagelangen Intensivkurse hochzuhalten.
Literatur:
Kreative Problemlösung – Methodik und Material des Ostdeutschen Kreativitätsausbildungszentrums Konferenzpapier, Erstonline: TRIZ-Anwendertag 2024, Enthalten in den folgenden Konferenzreihen:TRIZ-Anwendertag Workshop Deutschland
Kreative Problemlösung – Methodik und Material des Ostdeutschen Kreativitätsausbildungszentrums, Konferenzpapier, Erstonline:
Peter Koch1 Methodische Grundlagen des kreativen, innovativen Problem-Bearbeitungs-Prozesses, Peter Koch1 Methodische Grundlagen des kreativen, innovativen Problem-Bearbeitungs-Prozesses


